Vorteile
- hohe Laufleistung
- gute Regenperformance
- akzeptables Abrollgeräusch
- geeignet für einfaches Offroad
Nachteile
- kaum Grip in Sand/Matsch
- keine gute Seitenführung
Meine Empfehlung
Für lange Reisen bei denen man sich nur bei guten Rahmenbedingungen auf unbefestigte Wege verirrt oder sich nicht scheut die eigene Kupplung zu misshandeln.
- Einsatzerfahrungen -
montiert auf einer R1200GS / Dimensionen 150/70 B17
Ich habe den K60 Scout 2023 für meine erste große Reise in Richtung Nordkapp verwendet. Die genaue Länge der Reise war anfangs nicht konkret abzusehen. Ich wusste lediglich: Ich werde voraussichtlich hauptsächlich auf Asphalt unterwegs sein und gelegentlich bisschen Schotter unter die Reifen bekommen. Also musste ein guter Spagat her. Nach einiger Recherche bin ich auf den Heidenau K60 Scout gestoßen, welcher vom Hersteller als 60/40 Reifen vermarket wird und unglaubliche Laufleistungen erreichen soll. Das mit der Laufleistung würde ich bestätigen, alles andere nur bedingt. Was mir bei der Montage direkt aufgefallen ist, ist der konstante Mittelsteg des Scouts, der bei einem etwas gröberen Reifen für mein Empfinden eine angenehme Laufruhe mit sich bringt und die sonst so nervigen Abrollgeräusche wirklich angenehm macht.
- Laufleistung -
Der konstante Mittelsteg ist neben der Gummimischung einer der Hauptgründe für die hohe Laufleistung des Scouts. Diese betrug bei mir auf dem Hinterrad stolze 12.000 Kilometer und es wären bestimmt noch ein paar Kilometer mehr drin gewesen. Der Vorderreifen hätte auch noch einen weiteren Hinterreifen ausgehalten. Wobei ich hier auch ganz klar zu sagen habe: Ich selbst wiege circa 75 Kilogramm, reiße nicht ständig den Gashahn auf, meine Transitgeschwindigkeit auf der Autobahn überschreitet die 130 km/h sehr selten und das schont auf lange Sicht natürlich das Gummi. Als realistisch und alltagstauglich würde ich dennoch 10.000-11.000 Kilometer für den Hinterreifen angeben, während ich den Vorderreifen für zwei Hinterreifen verwenden würde und das ist einfach nur beeindruckend.
- Fahrperformance -
Der K60 Scout war mein erster Reifen mit etwas gröberem Profil, weshalb ich mich anfangs nur ganz langsam und vorsichtig an schnelle Kurvenfahrten getraut habe und im Regen noch viel langsamer. Für mich galt "Vorsicht ist besser als Nachsicht!". Der Reifen gab mir dennoch von Anfang an ein gutes Gefühl und hat mir nie Angst gemacht. Nach einiger Eingewöhnungszeit konnte ich ohne Angst haben zu müssen den Reifen im Rahmen meiner Fahrfähigkeiten ausfahren, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass ich den Reifen an seinen Grenzbereich bringe. Das ist für mich ein Bereich in den ich keinen Reifen bringen möchte.
In den skandinavischen Ländern konnte ich mich dann auch ausführlich von der Regenperformance überzeugen. Egal ob ich mich auf einer Europastraße, einer kurvigen Nebenstraße oder irgendeinem Ziegenpfad durch eine Bergkette befand: Der Reifen funktionierte fast genau so gut auf nasser wie auf trockener Straße. Auf den gesamten 8.600 Kilometern hatte ich einen kleinen Rutscher in einer knackigen Linkskurve als es Bindfäden geregnet hat. Natürlich sollte man trotzdem bei Regen ein ganzes Stück entspannter fahren als bei Sonnenschein. Das ist aber ein Grundsatz und nicht ein Problem des Reifens.
- Offroad -
Der K60 Scout wird durch den Hersteller als 60/40 Reifen vermarket. Also 60% Straße und 40% Offroad. Das würde ich so nicht unterschreiben. Für mich ist es eher ein 70/30 oder sogar 75/25 Reifen. Auf Untergründen wie grobem und feinen Schotter, Feld- und Waldwegen und "festeren" Untergründen ist die Performance sehr solide und vermittelt ein gutes Gefühl. Die größte Stärke des Scouts wird aber auch seine Achillessehne - der konstante Mittelsteg. Dieser sorgt dafür, dass man bei feinem Untergrund wie beispielsweise Sand und Matsch kaum Grip bekommt und die Kraft nicht übertragen werden kann. Und ohne Kraftübertragung geht es natürlich nicht voran.
Hier muss man allerdings anmerken, dass sich die Profilgestaltung des Scouts bei unterschiedlichen Dimensionen unterscheidet. Bei kleineren Hinterreifen ist der Mittelsteg nicht konstant und könnte dadurch eine verbesserte Performance liefern. Hierfür habe ich allerdings noch keine Erfahrungswerte. Was mir ebenfalls negativ aufgefallen ist, ist dass die Seitenführung bei Fahrten in Spurrillen nicht sehr überzeugend ist. Hier bekommt man sehr schnell die Grenzen aufgezeigt und das Rad stellt sich quer.